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heimat 2.0 – Guerilla Stitching

where the f*** is home?

Heimat. Wo ist das eigentlich? Wenn es darum geht, seine Heimat zu bestimmen, würde die spontane Antwort meistens lauten, dass das dort ist, wo man geboren oder aufgewachsen ist. Die frühsten Kindheitserinnerungen, typische Gerüche und Geräusche, die man nur von diesem einen Ort kennt und die einen sofort in Erinnerungen schwelgen lassen sobald man etwas davon wahrnimmt. Das kann der knarzende Dielenboden im Haus der Großeltern sein, der Geruch der Wälder in denen man früher herumtollte oder der alte Schaukelstuhl in dem man saß und die Füße nicht einmal bis zum Boden reichten. Allerdings verbringt man heutzutage kaum noch viel Zeit an diesem Ort der früher der einzige war, an dem man sich zu Hause und geborgen fühlte. Irgendwann wurde er zu klein und zu eng und man zog in die nächstgrößere Stadt oder sogar hinaus in die große Welt. Man war auf sich allein gestellt, schuf sich ein neues, eigenes Umfeld. Und irgendwann war man angekommen, stolz auf sich und fühlte sich genauso zu Hause, wie früher, aber doch auch irgendwie anders. Man hatte jetzt ein neues Zuhause.

In einer Welt in der es immer weniger Grenzen gibt, jeder mit jedem vernetzt ist und alles rasend schnell geht hat fast jeder irgendwie zwei Heimaten. Moment… Heimaten? Im Duden steht hinter dieser Pluralbildung „selten, nicht üblich“. Also hat jeder doch nur genau eine Heimat? Fakt ist, dass zu Beginn der Ausbildung oder des Studiums viele das Weite suchen. WGs und Stipendien oder Austauschprogramme bieten eine Menge Möglichkeiten. Doch genau diese Fülle an Unabhängigkeit und vorgelebter Rastlosigkeit kann einen auch ganz schön schwindelig machen. Früher oder später beruhigt sich der anfängliche Freiheitsdrang und man sehnt sich zurück nach Geborgenheit, ja einem Zugehörigkeitsgefühl. Denn das ist eine zweite wichtige Komponente um die es bei der Heimat geht. Sie ist nicht nur ein bestimmter Ort, sondern auch ein Gefühl. Man fühlt sich irgendwo angekommen, sei dies nun in Bottrop, in Barcelona oder in Botswana.

Forscher nennen es „Cocooning“, den aktuellen Trend sich in die eigenen vier Wände zurückzuziehen oder als Großstädter zurück aufs Land zu ziehen wenn die Welt draußen einem zu schnell, zu laut und zu kompliziert geworden ist. Es lebt eine neue Heimatverbundenheit auf, man macht es sich gemütlich und gilt dabei nicht gleich als Spießer. Heimwerker-Aktivitäten sind wieder cool, die DIY-Bewegung hat sich zu einem eigenen Wirtschaftszweig entwickelt, Individualität und Kreativität sind angesagter als Masse und Konsum. Das Konzept Heimat geht in die nächste Runde: heimat 2.0!

KursteilnehmerinnenBrainstorming

Beim Guerilla Stitching-Workshop des Action Houses im Rahmen des Alternativen Frühlings kombinierten die Teilnehmerinnen genau diese beiden Themen, das der Heimat und das der Kreativität. Von Kursleiterin Dominique Funk lernten sie zunächst verschiendene Guerilla Stitching-Techniken und Tools kennen und entwickelten dann eigene textile Statements zum Thema heimat 2.0. Jede Teilnehmerin schuf so ihre eigene Mixed Media Collage und platzierte ihr Werk im Rahmen des urbanen Festivals im öffentlichen Raum.

So wie Ana, 28, Übersetzerin aus Madrid, die Heimat in erster Linie mit einem Ort verbindet. Ihr Art Work heißt „heimat para llevar“ (übersetzt Heimat „to go“) – Fernweh vs. Heimweh – Eine mobile Heimat für moderne Nomaden.

heimat para llevar

 

„Innerhalb der letzten Jahre habe ich an vielen verschiedenen Orten gelebt und bin oft umgezogen. Mittlerweile habe ich erkannt, dass ich mir mit meinen Büchern und Fotos überall eine Umgebung schaffen kann, in der mich mich sicher und geborgen fühle. Als mobiles Heimatsymbol habe ich heute eine spanische Flagge gefertigt. Im Zentrum befindet sich eine Art moderne Marienfigur die auf ihrem Rücken einen Berg an Koffern und Erinnerungen mit sihc trägt. Über ihrem Kopf befindet sich ein Heiligenschein aus Meeresfrüchten, einem Gericht, das ich mit einem Heimatland verbinde und hier vermisse. Am unteren Bildrand sind ein paar bandagierte Füße zu sehen die wegen der zahlreichen Kilometer voller Eindrücke und Begegnungen erst einmal eine kleine Ruhepause benötigen. Meine Heimatflagge ist leuchtend rot und bewegt sich im Wind. Sie besitzt kaum Gewicht. Sie ist faltbar und wärmt mich bei Bedarf. Ich habe meine Flagge heute in Heidelberg gehisst. Man findet sie in den Ästen eines kleinen Baumes zwischen dem Eingang der Kunsthalle und dem Zollamt.“

Ganz anders hingegen definiert Hannah, 22, Studentin der Kunstgeschichte aus New York Heimat mit einem Gefühl. Ihr Art Work lautet „inside joke“ – Heimat passiert zwischen Menschen. Zu wissen was der andre meint, ohne dass er sich erklären muss.

inside joke Teil1inside joke Teil2

„Ich habe zwei Portraits von Freunden gefertigt, die durch unsichtbare Bande verbunden sind und sich erst auf den zweiten Blick erschließen: Ein Bild zeigt einen Mann, das andere eine Frau. Jeder er beiden formt einen Gedanken im Kopf. Er denkt das Wort „inside“, sie vollendet seinen Gedanken mit dem Wort „joke“, woraus zusammen gelesen der Begriff „inside joke“ entsteht. Um diesen Begriff weiterzuspinnen wurde der Mann außerdem an der Tür zur Frauentoilette angebracht, während die Frau die Tür der Männertoilette ziert. Die beiden Worte sind mit identischem roten Garn auf weißes Karopapier gestickt auf dem wir als Schulkinder einander immer kleine Briefchen schrieben und unter dem Tisch heimlich umherreichten. Mit guten Fruenden entwickeln wir mit der Zeit eine eigene Sprache und einen eigenen Humor. Es entsteht eine Art exklusiver Club in dem man sich frei bewegen kann, in dem man sich bild versteht, in dem man zuhause ist.“

Dominique

Dominique Funk

Kursleiterin Dominique übrigens hat sich der Liebe wegen gerade entschlossen Heidelberg zu verlassen und sich im Ruhrgebiet niederzulassen. Das ist natürlich bei weitem die beste Grundlage für eine neue Heimat, finden wir. Wir wünschen ihr dabei alles Gute. Auf ihrer Homepage hält sie uns auf dem Laufenden und ihr könnt mehr über sie erfahren.

 

11. Heidelberger Stadtgespräche, Innovation & Kreativität, 1. Teil

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11. Heidelberger Stadtgespräche, Innovation & Kreativität, 1. Teil

About this video, from the YouTube description:

Diesmal geht es um Kultur in Heidelberg und der Metropolregion. Visionen, Strategien, Politik und Marketing. Gäste auf dem Podium sind Pascal Baumgärtner, Stadtrat · generation.hd, Johan Holten, Direktor · Heidelberger Kunstverein, Christian, Hübel, Strategische Steuerung · Stadt Mannheim, Manfred Metzner, Verleger · Das Wunderhorn, Thorsten Schmidt, Festivalleiter · Heidelberger Frühling
Peter Spuhler, Intendant · Theater und Philharmonisches Orchester der Stadt Heidelberg, Dr. Eckart Würzner, Oberbürgermeister · Stadt Heidelberg. Moderation: Ingrid Thoms-Hoffmann, Rhein-Neckar-Zeitung, Frank Zumbruch, komplizen.com.

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11. Heidelberger Stadtgespräche, Innovation & Kreativität, 3. Teil

About this video, from the YouTube description:

Innovation und Kreativität in der Kultur, 11. Heidelberger Stadtgespräch, 
Sonntag, 18. Oktober 2009.

Kultur in Heidelberg und der Metropolregion. Visionen, Strategien, Politik und Marketing. Gäste auf dem Podium sind Pascal Baumgärtner, Stadtrat · generation.hd, Johan Holten, Direktor · Heidelberger Kunstverein, Christian, Hübel, Strategische Steuerung · Stadt Mannheim, Manfred Metzner, Verleger · Das Wunderhorn, Thorsten Schmidt, Festivalleiter · Heidelberger Frühling, Peter Spuhler, Intendant · Theater und Philharmonisches Orchester der Stadt Heidelberg, Dr. Eckart Würzner, Oberbürgermeister · Stadt Heidelberg. Moderation: Ingrid Thoms-Hoffmann, Rhein-Neckar-Zeitung, Frank Zumbruch, komplizen.com. Eine Veranstaltungsreihe der Rhein-Neckar Zeitung, komplizen.com und der Volksbank Kurpfalz H G BANK.

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